Zukunftstechnologien ganzheitlich gedacht: Rückblick auf die IT-Strategien & Trends 2026
Auch in diesem Jahr war die IT-Strategien & Trends wieder ein zentraler Treffpunkt für Entscheider*innen, welche die Digitalisierung der Verwaltung aktiv gestalten. IT-Verantwortliche aus öffentlicher Verwaltung und verwaltungsnaher Wirtschaft nutzten die Veranstaltung, um sich zu aktuellen Entwicklungen auszutauschen, Herausforderungen zu diskutieren und gemeinsam auf künftige Technologien und Arbeitsweisen zu blicken, mit Künstlicher Intelligenz als weiterhin prägendes Thema.
Die diesjährige Ausgabe der Veranstaltung fand am 1. und 2. April 2026 bei der AOK Bayern in Nürnberg statt und bot einen passenden Rahmen für zwei Tage intensiven Dialog, praxisnahe Impulse und Vernetzung.
Veranstaltet wurde das Event gemeinschaftlich von der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL), der Bundesagentur für Arbeit, dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, der CONITAS GmbH, die mit drei Referenten, Geschäftsführung und Bereichsleitungen vertreten war sowie – neu als zusätzlichem Veranstaltungspartner – der AOK Bayern.
Die zwei Tage in Nürnberg haben ein klares Bild gezeichnet: für eine erfolgreiche digitale Transformation der Verwaltung geht es weniger um Einzelprojekte, sondern um robuste Entscheidungen, die langfristig tragen: technisch, organisatorisch und rechtlich. Von Post-Quantenkryptografie über Ende-zu-Ende-Prozesse bis hin zu Cloud- und KI-Betriebsmodellen stand immer wieder dieselbe Frage im Raum: Wie machen wir Zukunftsthemen verlässlich betreibbar?
Sicherheit und Souveränität: vom Anspruch zur Umsetzung
Gleich zu Beginn machte Johann Grathwohl, CISO der CONITAS, deutlich, warum Quantencomputer die Digitalisierung potenziell grundlegend gefährden: Ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer könnte zentrale heutige Kryptoverfahren unterlaufen – mit Folgen von der möglichen Entwertung bestimmter Kryptowährungen bis hin zu Risiken für Online‑Banking, Online‑Shopping und E‑Government. Damit, so Grathwohl, stünde nichts weniger als das Vertrauen in digitale Prozesse und Identitäten auf dem Spiel. Als Gegenstrategie ordnete er die Post‑Quantenkryptografie (PQC) ein, erläuterte deren aktuellen Stand und zeigte, wie der Umstieg in der Praxis typischerweise über hybride Ansätze und eine systematische Bestandsaufnahme kryptografischer Abhängigkeiten vorbereitet wird.
Ein Schwerpunktthema des ersten Veranstaltungstages der IT-Strategien & Trends war zudem die Cloud; zukunftsfähige Betriebsmodelle wurden hinsichtlich Technik, Vertrag und Datenschutz beleuchtet.
Ein weiterer Fokus lag auf der digitalen Souveränität: hier wurde sowohl praxisnah als auch wissenschaftlich gezeigt: Souveränität ist kein Label, sondern eine bewusste Steuerung von Abhängigkeiten, die in Beschaffung, Architektur und Governance sichtbar werden muss.
KI in der Verwaltung ganzheitlich betrachtet
Ein großer Teil des Events, insbesondere am zweiten Tag, widmete sich auch in diesem Jahr der Künstlichen Intelligenz.
KI wurde bewusst aus der Hype-Zone herausgeholt – sowohl in der wissenschaftlichen Betrachtung als auch in der Praxisperspektive. Der rote Faden: Erfolgreiche KI braucht Plattform- und Betriebsfähigkeit (auch on prem, wenn erforderlich), klare Leitplanken (Compliance, Qualität, Verantwortung) und Kompetenzaufbau. Das World-Café am Mittag hat das sehr gut verdichtet: Die spannenden Fragestellungen und Diskussionen drehten sich um verschiedenste Aspekte rund um KI: von AI-Infrastructure bis hin zu Green AI.
Der KI-Vortrag der CONITAS stellte die Frage in den Mittelpunkt, wie KI langfristig verantwortungsvoll und organisatorisch tragfähig eingesetzt werden kann. Dabei zeigten Saskia Sanner, Head of AI, und Jens Sattler, CTO, auf, dass die größte Gefahr nicht darin liegt, dass Maschinen beginnen zu denken, sondern dass Menschen aufhören, es zu tun. Entsprechend plädierten sie dafür, KI als Werkzeug zur Erweiterung von Fähigkeiten, zur Entlastung in Prozessen und zur gezielten Unterstützung von Mitarbeitenden zu verstehen.
Im Fokus standen Leitprinzipien für eine erfolgreiche KI-Transformation: Rahmen geben statt kontrollieren, weniger Tools mit größerer Wirkung, aktives Change Management sowie der Grundsatz „erst Use, dann Case“. Saskia und Jens machten deutlich, dass technologische Möglichkeiten allein nicht ausreichen. Entscheidend sind eine belastbare Daten- und Prozessbasis, interne Governance, mitgestaltende Mitarbeitende und eine klare Priorisierung von Anwendungsfällen.
Anhand eines Prototyps für KI-basiertes Antragsmanagement* zeigten die beiden praxisnah, welches Potenzial KI-gestützte Prozesse für die öffentliche Verwaltung und organisationsübergreifende Wertschöpfung entfalten können. Zugleich machten sie deutlich, dass die konsequente Hebung dieses Potenzials gemeinsames Handeln und tragfähige Strukturen rund um KI im operativen Betrieb voraussetzt.
Digitalisierung der Verwaltung: eine Gemeinschaftsaufgabe
Die Trendlinie aus zwei Tagen IT-Strategien & Trends war ziemlich eindeutig: Weg von schnellen Einzelmaßnahmen, hin zu verlässlichem Betrieb. Sicherheit wird migrationsfähig gedacht, Cloud ganzheitlich geregelt, KI professionalisiert – und digitale Souveränität zeigt sich nicht in Schlagworten, sondern in konkreten Entscheidungen.
Die IT-Strategien & Trends zeigte somit auch in diesem Jahr aufs Neue, wie essenziell der offene Austausch über Organisationsgrenzen hinweg ist: gerade dann, wenn es darum geht, Digitalisierung nicht nur technisch zu denken, sondern als nachhaltige und gemeinsame Weiterentwicklung von Strukturen, Prozessen und Zusammenarbeit.
Kontakt IT-Strategien & Trends
itst@conitas.de
* Hinweis der CONITAS: Für ihr Projekt KI-basiertes Antragsmanagement sucht die CONITAS noch Fachexpert:innen aus Unternehmen und Institutionen, die an einer gemeinsamen Entwicklung oder am Erfahrungsaustausch interessiert sind. Da jedes Unternehmen individuelle Prozesslandschaften betreibt und dabei regulatorischen Anforderungen unterliegt, werden nachhaltige, branchenweite Verbesserungen nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit erreichbar sein. Gemeinsam können wir Lösungen entwickeln, die nicht nur einzelne Unternehmen und Institutionen stärken, sondern die gesamte Wertschöpfungskette transformieren. Interessierte können sich gerne bei jens.sattler@conitas.de melden
